Vom Videoaktivismus zum Autorenfilm

AugenBlick – Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft [93/94]

200 Seiten, 148 x 210 mm, zahlr. tw. farb. Abb.

Februar 2026 Schüren Verlag Marburg

Videoaktivismus

Eigentlich ist es ja erstaunlich, dass bisher die Arbeiten der Medienwerkstatt Freiburg (wenn man von der Diplomarbeit Wolfgang Stickels von 1991 absieht) und das vielfach ausgezeichnete filmische Werk von Didi Danquart, Pepe Danquart und Mirjam Quinte zusammenfassend betrachtet wurde. Von den Anfängen im Kollektiv der Medienwerkstatt Freiburg, das in den 1970er- und 1980er-Jahren politische Aktionen, mediale Praxis und ein gemeinsames Leben verband, emanzipierten sie sich schrittweise von inhaltsorientierten Videoberichten hin zu formal und ästhetisch ambitionierten Essays, Dokumentarfilmen und Spielfilmen mit jeweils eigener Handschrift. Verstanden sich die Mitglieder der Medienwerkstatt in den ersten Jahren als der «mit Video bewaffnete Arm» der politischen Bewegung, bei der es in erster Linie um Haltung und Botschaft ging, traten spätestens in den Filmen Passt bloss auf! (MWF, BRD 1982) und Geisterfahrer (MWF, BRD 1986) ästhetische Ambitionen deutlich hervor. Dramaturgie, Inszenierung und Collage kamen als gestalterische Mittel hinzu und gewannen an Gewicht.

Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft

Ausgangspunkt und Motivation des nun erschienen Bandes der Reihe Augenblick stammen aus zwei unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Beate Ochsner hat sich in den letzten Jahren intensiv mit videoaktivistischen Gruppen in Europa beschäftigt und dabei sowohl deren politische Intentionen als auch die medialen Voraussetzungen und verbindenden Praktiken herausgearbeitet. Andreas Schreitmüller war seit 1986 beim ZDF und bei ARTE verantwortlicher Redakteur von Video- und Filmproduktionen der Medienwerkstatt Freiburg sowie von zahlreichen Filmen, die seit den 1990er-Jahren von Didi Danquart, Pepe Danquart und Mirjam Quinte realisiert wurden.

Um diese Entwicklungslinien detailliert nachzuzeichnen und zugleich den langen Atem von über vier Jahrzehnten sichtbar zu machen, luden Beate Ochsner und Andreas Schreitmüller Didi, Pepe und Mirjam zunächst in ein Seminar an an der Uni Konstanz ein, um gemeinsam mit ihnen und den Studierenden einige ihrer Filme zu diskutieren. Daran schlossen sich mehrere, viele Stunden umfassende Interviews an, die vom Beginn des Kollektivs bis zu den neuesten Produktionen reichen und erst mal einen umfassenden Einblick in Werk, Praxis und Selbstverständnis dieser Filmschaffenden eröffnen.